Hallo an alle,
die Frage, warum man von Bodman aus startet und nicht von Bregenz aus, lässt sich (zumindest bei mir) insofern erklären, dass ich eine Umrundung des Bodensees vorhatte und hierfür 42 bis 45 h eingeplant hatte.
Bei einer Umrundung hätte ich so und so irgendwann gegen die Strömung schwimmen müssen, entweder von Konstanz aus in Richtung Bregenz oder eben von Bodman nach Bregenz.
Ohne Neopren hat (auch wieder bei mir) den Grund, dass ich mich sehr stark in meiner Freiheit eingeengt fühle, wenn ich in solch einem Teil drin stecke. Ich möchte einfach die Freiheit im Wasser spüren, auch auf der Haut ...
Zum Schwimm selbst:
Wir sind in Bodman gestartet und wie ich später erfuhr auch mit einer recht hohen Geschwindigkeit (ca. 3500 m / h). Irgendwann müssen jedoch Strömungen aufgetreten sein, die nicht im Vorfeld erkennbar waren, d.h. nicht im Strömungsmodell von BodenseeOnline erkennbar gewesen sind. Ich kam bereits einfach nicht aus dem Überlinger See raus in den Obersee. An dieser Stelle hatte ich erstmals mit meinem Kopf zu kämpfen, "Verzweiflung" machte sich breit, weil mein Zeitplan in Gefahr kam. Ich fing an zu denken => ein verhängnisvoller Zustand beim Extremschwimmen. An dieser Stelle konnte ich mich nur aufgrund meiner eigenen täglichen Arbeit als Mentaltrainerin mich so weit wieder in die Mitte bringen, dass ich weiter schwimmen konnte. Solch ein Schwimmen wird IMMER vom Kopf entschieden.
Die Nacht verlief recht entspannt bei sternenklaren Himmel. Man konnte sogar diese Zeit geniesen, wenn nicht auch der Körper streckenweise gemeckert hätte und auch hier wieder "mental Arbeit" zur Aufrechterhaltung des Allgemeinbefindens notwendig gewesen wäre.
Der zweite Tag verlief aus meiner Sicht recht entspannt bis zu dem Zeitpunkt als ich erfuhr, dass ich exakt 100 m in 25 min vorwärts gekommen bin und diese innerhalb von Sekunden beim Hinschwimmen zum größeren Begleitboot (wegen "Futteraufnahme") wieder verloren hatte. Als Schwimmer in einem großen See spürst du eben nicht, wieviel Meter etc. du vorwärts kommst ...
Ca. 20 km vor Bregenz trat dann die heftige Gegenströmung (durch den Rhein) ein, die in keinem Strömungsmodell verzeichnet ist. Der Bodensee ist einfach anders als vorhergesagt. Außerdem war aufgrund des schönen Wetters an diesem Sonntag auch ein reger Bootsverkehr in der Region vor Bregenz, damit verbunden natürlich auch nicht unerheblich Wellenschlag der Boote. D.h. ich hatte in dieser Region mit einem Wellenchaos pur zu kämpfen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es war in keiner Weise mehr möglich die Schwimmtechnik an die Wellenrichtung anzupassen, weil es einfach keine Richtung gab. Die Folge war, dass ich Wasser angro während des Schwimmens schluckt.
Zusammengefasst kann man sagen, dass diese 20 km vor Bregenz die Schlimmsten Schwimmkilometer meiner bisherigen Schwimmgeschichte waren und ich sehr glücklich bin, diese erfolgreich bewälltigt zu haben.
Rückblickend möchte ich nur sagen, dass dieses Schwimm-Event einfach eine super tolle Sache war und ich glaube heute, dass ich einfach die vergangenen 8 Jahre (seit meinem ersten Gedanken den Bodensee zu durchqueren) benötigt habe, um die mentale Stärke zu erreichen, damit ich diese Querung erfolgreich bestehen konnte. Es war kein Zu-Fall, dass immer und immer wieder etwas dazwischen kam und ich nie geschwommen bin ...
Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei allen Menschen bedanken, die uns so freundlich am See empfangen haben und egal in welcher Form auch unterstützt haben und natürlich auch an das mich begleitende Team, ohne dem diese Querung undenkbar gewesen wäre. Danke schön hierfür !!!
... und ja, wir kommen wieder ... der Bodensee ist einfach ein Traum !!!
Herzliche Grüße aus Dresden
Kirsten


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